


"Es gibt ein systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird", meint Franz Hörmann.

Für Franz Hörmann, Professor an der Wirtschaftsuniversität in Wien, ist die Zeit der Banken und des Geldes vorbei. Ein Paradigmenwechsel sowohl in den Wirtschaftswissenschaften, als auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht, ist für ihn unumgänglich. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt er, warum wir die Banken getrost ignorieren können, die freien Märkte "Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten" sind und noch in den nächsten drei Jahren der Zusammenbruch des gesamten Systems droht.
***
derStandard.at: Sie gehen davon aus, dass sich Gesellschaft und Wirtschaft in den kommenden Jahren völlig verändern werden. Hat unser derzeitiges Finanz- und Wirtschaftssystem ausgedient?
Franz Hörmann: Definitiv in jeder Hinsicht. Weil wir aus Sicht der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Modelle verwenden, die auf die alten Römer zurückgehen. Das Zinseszinssystem stammt aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend, die doppelte Buchhaltung aus dem 15. Jahrhundert. Und es gibt keinen Bereich unserer Gesellschaft und der Wissenschaften, wo Methoden dieses Alters überhaupt noch ernst genommen werden. Aber es dient dazu, gesellschaftliche Eliten mächtig und reich zu erhalten, deswegen ändert sich nichts.
derStandard.at: Läutete die Krise nun ein Umdenken ein?
Hörmann: Das denke ich schon. Die heutige Krise geht von den Banken aus. Banken erfinden im Kreditprozess Geld. Wenn man aber Geld aus Luft erfindet und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weiter gibt und dinglich absichern lässt, dann ist das, wenn das Geschäftsmodell schief geht, in Wahrheit ein Enteignungsmodell. Das ist auch der Hintergrund des Bankgeheimnisses. Banken können überhaupt nicht offenlegen, wo beispielsweise die Zinsen für Sparbücher, Bausparverträge oder Sonstiges herkommen. Denn wenn sie das täten, müssten sie zugeben, dass das alles in Wirklichkeit verkettete Pyramidenspiele sind. Diese verdeckte Geldmengenausweitung hat mit der doppelten Buchführung begonnen. Weil wenn man mit Geld eine Sache kauft, dann wechselt das Geld in Wahrheit den Besitzer. Der Verkäufer hat das Geld, der Käufer hat die Sache. Ab dem Moment ist die Sache aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr in Geld bewertbar. Trotzdem schreiben wir diese Geldbeträge in Bilanzen rein.
derStandard.at: Den Banken und dem Finanzsystem zu vertrauen ist also ein Fehler?
Hörmann: Das Vertrauen ist ja in den letzten Jahren von den Banken systematisch missbraucht worden. Es gibt ein systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird. Solange man mit Eigenkapital als Sicherheit zur Bank geht und die erzeugt aus Luft echtes Geld, das eine Zahlungsmittelfunktion hat, haben wir ein Problem. Eigenkapital ist eben kein Geld, es ist eine Rechengröße. Nach irgendwelchen Regeln wird die Aktivseite bewertet und dann die Schulden abgezogen. Wenn ich ein drei Meter langes Brett habe und ziehe ein zwei Meter langes Brett ab, dann hab ich immer noch kein ein Meter langes Brett, ich habe eine Differenz. Wenn ich ein ein Meter langes Brett haben will, dann muss ich die zwei Meter abschneiden. Ökonomisch heißt das, ich muss die Aktiva liquidieren, damit ich das Geld kriege. Zu Liquidationserlösen sind aber alle Unternehmen weltweit pleite. Auch Staaten können sich daher in Wirklichkeit gar nicht verschulden. Ein Staat, wenn man ihn als Summe des gesamten Geldflusses versteht, wo soll sich der verschulden? Warum gerade bei einer Privatbank? Ein Staat müsste sein Geld eigentlich selbst erzeugen, und zwar basisdemokratisch.
derStandard.at: Was ist dann von einer Rettung wie im Falle Griechenlands zu halten?
Hörmann: Die europäischen Länder haben nicht unbedingt die Griechen gerettet, sondern ihre eigenen, in erster Linie die deutschen Banken, die hier absurde Kredite vergeben haben. Die Zusammenhänge sind auch völlig absurd, wenn man sich Folgendes überlegt: Der Staat verschuldet sich bei den Banken, um die Zinsen der Schulden, die er bei den Banken hat, zu begleichen oder um die Banken zu retten, bei denen er selber Schulden hat. Da versteht ja keiner mehr, wer eigentlich bei wem Schulden hat und was Schulden eigentlich sind.
derStandard.at: Die Systemrelevanz von Banken und das "too big to fail"-Argument und die Bankenrettungspakete sind für Sie also reines Eigeninteresse?
Hörmann: Das "Too big to fail" ist ja ein Geschäftsmodell. Es gibt erwiesenermaßen die gezielte Absicht, Banken durch Übernahmen immer größer zu machen, damit sie "too big to fail" werden. Die Verknüpfungen zwischen Finanzwirtschaft und Politik sind enorm. Eigentlich kann man Regierungen, die aus aktiven oder früheren Mitarbeitern des Finanzsystems bestehen, gar nicht ernst nehmen. Da hat es zumindest eine mutige Aktion gegeben, nämlich das Eigentum der Oesterreichischen Nationalbank zu verstaatlichen und damit die Nationalbank von jenen Banken unabhängig zu machen, die sie prüfen sollte. Aber die Geldpolitik macht nun einmal nicht die OeNB sondern die EZB. Die Bankenrettungspakete sind überhaupt wahnsinnig witzig: Die Banken wurden nicht gerettet, es gibt nur einen Plan für die Zukunft, von dem man heute schon weiß, dass er nicht funktionieren wird, denn die Gelder müssen ja erst in den kommenden "Sparpaketen" mittels Steuererhöhungen von den Bürgerinnen und Bürgern einkassiert werden. Die Banken sind rund um den Globus pleite. Darum kann man getrost so tun, als ob es sie nicht mehr gäbe.
derStandard.at: Aber noch gibt es sie.
Hörmann: Wenn wir uns die Kredite anschauen, können wir sie ignorieren. 1969 hat ein amerikanischer Architekt einen Prozess gewonnen, weil er seinen Hypothekenkredit nicht zurückzahlen wollte. Er hat sich auf den Rechtsgrundsatz berufen, dass in einer Leihe, wo ein Gegenstand erst entsteht, der vorher noch nicht vorhanden war, dieser Gegenstand auch nicht zurückgegeben werden muss. Da also in der Kreditschöpfung das Geld erst erzeugt wird, gibt es keinen Grund, diesen Kredit zurückzuzahlen. In den USA gibt es schon Bürgerrechtsbewegungen, die den Amerikanern empfehlen, sich zusammenzuschließen und Kredite nicht mehr zurückzuzahlen.
derStandard.at: Kommen wir noch einmal auf die Bilanzen zurück. Das Problem fängt Ihrer Ansicht nach schon hier an?
Hörmann: Es mangelt an der Abzählbarkeit der Größen, die in Bilanzen verwendet werden. Jemand, der ein Haus um zwei Millionen statt um eine Million kauft, weil er schlecht verhandelt hat, hätte dann ein um eine Million höheres Eigenkapital? Und wenn er jemanden findet, der es um zehn Millionen kauft, ist das dann ein Marktpreis? Es ist krank. Der Fair Value ist auch ein Betrugsmodell, weil man es mit geschenktem Geld und Strohmännern nachweislich missbrauchen kann. Der Fair Value gehört endlich abgeschafft. Er ist nichts anderes als der sogenannte Gemeine Wert, der Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Deutschen Handelsgesetzbuch eliminiert wurde, weil er auch da schon zu massenhaftem Gründungsbetrug bei Aktiengesellschaften geführt hat. Es ist ein flächendeckender Betrug über Kapitalgesellschaften und Banken in unserem Wirtschaftssystem. Aber das darf die Politik nicht zugeben, weil es zu nahe an jene Formulierungen heranreicht, die früher die Marxisten verwendet haben. Und das wäre ja allzu peinlich. Wobei man natürlich sagen muss, dass der Staatssozialismus und die Planwirtschaft überhaupt nicht funktionieren konnten, weil das ja tatsächlich Terrorregime waren.
derStandard.at: Derzeit werden die Stimmen, dass beispielsweise der Euro verschwinden wird, immer lauter. Brauchen wir Geld überhaupt noch?
Hörmann: Alle Währungen werden verschwinden, weil sie technisch nicht mehr funktionieren können. Ich schätze, dass es schon 2011 so weit sein wird. Wenn wir uns aber in eine neue Gesellschaft ohne Geld retten wollen, brauchen wir als Übergangphase mehrdimensionales Geld. Wir brauchen mehrere unabhängige Rechnungskreise in Form spezialisierter elektronischer Gutscheine. Um die Grundversorgung der Menschen abzudecken, wie Wohnraum, Energie, Lebensmittel usw., könnte man eine Inventur in den einzelnen Ländern aller verfügbarer Ressourcen und des Bedarfs machen. Dann wäre es notwendig, die vorhandenen Ressourcen pro Kopf so zu verteilen, dass für den Basislebensstandard alle versorgt sind. Hier müssen alle kooperieren, ohne dass sie in ein gewinnorientiertes Tauschkonzept verfallen. Die Gemeinschaft muss ohne Wenn und Aber und ohne Gegenleistung Kinder, alte und kranke Menschen erhalten, und alle müssen mit diesem Grundlebensstandard versorgt werden, egal welche oder ob sie überhaupt eine Leistung vollbringen.
derStandard.at: Wir sprechen also von einem bedingungslosen Grundeinkommen?
Hörmann: Genau. Aber nicht in Geld, sondern in Gütern und Dienstleistungen. Im Bereich des Luxus kann die Gesellschaft dann basisdemokratisch entscheiden, für welche individuellen oder Gruppenleistungen Preise ausgeschrieben werden. Für tolle Erfindungen zum Beispiel, oder besonders schwierige oder mühsame Arbeiten. Das ist dann der Ansporn in einem motivierenden, leistungsorientierten Anreizsystem. Es reden ja alle von der Leistungsgesellschaft, aber Zinsen- und Dividendeneinkommen sind keine Leistung, sondern eine Vergütung für Eigentum. Da Geld sowieso eine gesellschaftliche Konstruktion ist, müssen wir uns nicht an der toten Materie orientieren, die in früheren Jahrtausenden die praktische Manifestation von Geld war. Geld selbst besitzt ja lediglich eine Informationsfunktion.
derStandard.at: Noch nehmen wir das Geld aber sehr ernst. Währungskrieg und Währungskrisen geistern durch die Medien.
Hörmann: Der wirkliche Skandal ist, dass unser gesamtes Geldsystem auf Schulden basiert. Das heißt, die Geldschöpfung funktioniert zu 97 Prozent in den Geschäftsbanken. Auch Staaten nehmen so Kredite auf: Die Zentralbanken machen das durch eine Bilanzverlängerung. Über eine Bilanzverlängerung kann man aber kein Geld erzeugen. Die chinesische Staatsbank erfindet auch Geld aus Luft, nur lustigerweise, ohne dass eine Staatsschuld entsteht. Das sollten wir auch machen. Der chinesische Wirtschaftswissenschafter Wu hat bei einem Vortrag an einer amerikanischen Universität gesagt: Er werde oft gefragt, warum es in China so viele Unternehmensgründungen gegeben hat. Die chinesische Staatsbank habe Gründungskredite hergegeben, die waren unverzinst und mussten nicht zurückgezahlt werden. Das kann man natürlich nur als Zentralbank machen, wenn man einseitig bucht und nicht gleichzeitig Schulden erzeugt. Und wenn man dann sagt: Um Gottes Willen, dann gibt's ja Inflation! Das haben die Chinesen über eine Preisregulierung gesteuert und waren damit wieder die Schlaueren. Das will aber bei uns keiner hören, weil das geht gegen das Dogma der freien Märkte, die Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten sind.
derStandard.at: Ist China da wirklich ein Vorbild?
Hörmann: Die Chinesen machen es richtig. Sie picken sich aus den beiden politischen Systemen jeweils die Rosinen raus und sind offenbar so flexibel zu sagen: Das, was in unserem alten System gut funktioniert hat, behalten wir bei. Und das, was im kapitalistischen System gut ausschaut, das übernehmen wir. Es ist eine Mischform, die sich noch dazu laufend weiter entwickelt, also einer Evolution unterliegt. Aus Sicht der Elite in China ist es einfach, solange sie es so steuern kann. Ob es für die gesamte Bevölkerung, insbesondere für die Landarbeiter so einfach ist, ist eine andere Frage.
derStandard.at: Wo sehen Sie unser Wirtschaftssystem nun in Zukunft?
Hörmann: Solange Eigentümer etwas produzieren, damit Konsumenten es gegen Geld kaufen, werden wir in absehbarer Zeit in einen Zustand geraten, wo die öffentliche Hand, die Gelderzeuger, die Konsumenten dafür bezahlen müssen, dass sie einkaufen gehen. Nur dann werden die Eigentümer noch ihre Gewinne erzielen können. Denn durch Arbeit in immer stärker rationalisierten und automatisierten Prozessen wird kein Mensch mehr sein Einkommen verdienen können. Wir wissen, dass zehn Prozent der berufstätigen Bevölkerung von ihren Arbeitseinkommen nicht mehr leben können. In Wirklichkeit müssten wir darüber in Freude ausbrechen. Zu Beginn der Industrialisierung war die betriebswirtschaftliche Maßgröße eingesparte Arbeitsstunden. Und genau das ist die einzig sinnvolle ökonomische Größe.
derStandard.at: Sie wünschen sich also eine neue Weltordnung?
Hörmann: Globalisierung richtig verstanden, bedeutet, dass es keine Standortpolitik mehr gibt. Es gibt nur einen Standort, und das ist der Planet Erde. Und es gibt auch nur eine Nation, das ist die Menschheit. Diese ist natürlich vielfältig, und muss liebevoll und empathisch miteinander kommunizieren. Wir müssen auch die Vertreter der sogenannten Elite, dort abholen, wo sie heute stehen. Wir dürfen keine Sündenböcke suchen. Denn wir müssen ihre Verlustängste berücksichtigen und sagen: Ihr werdet zwar etwas verlieren, aber das sind nur Zahlen auf Papier oder Displays. Und wenn ihr mitarbeitet, dann können wir jede Form von Lebensstandard schaffen und zwar für eine breite Bevölkerung. Das schafft dann auch Sicherheit, weil es keinen Neid mehr geben wird.
derStandard.at: In welchem Zeithorizont denken Sie an diese neue Gesellschaftsordnung?
Hörmann: Drei Jahre. Die Frage ist nämlich, schafft es die Menschheit, in drei Jahren dieses Konzept umzusetzen oder wird sie gar nicht mehr bestehen. Wir haben nämlich massenhaft ökologische und soziale Probleme, in vielen Ländern stehen wir kurz vor der Revolution.
derStandard.at: Sie reden also vom ultimativen Crash?
Hörmann: Richtig. Wie die Gesellschaft in Zukunft leben wird oder will, kann nur die Gesellschaft selbst entscheiden und zwar nach dem Mehrheitsprinzip. Das geschieht demokratisch in der Vernetzung. Hierarchische Strukturen können aus informationstheoretischer Sicht nie funktionieren, weil die Personen an der Spitze der Pyramide das Wissen nicht haben. Sie werden von den Schichten darunter permanent belogen. Wie man sich als einfacher Bürger gegen Überwachung oder Schikanen wehren kann, ist bekannt: Man lügt die Mächtigen einfach an. Daher brechen sämtliche hierarchische Systeme, ob das Regierungen, Staaten, Schulsysteme oder Unternehmen sind, momentan zusammen und die Menschheit vernetzt sich über das Internet auf einer Ebene neu, über das "global brain". Hier entstehen dann völlig neue Spielregeln nach dem Prinzip der Emergenz. (Daniela Rom, derStandard.at, 13.10.2010)
FRANZ HÖRMANN ist Professor am Institut für Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen der Wirtschaftsuniversität Wien.
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Interessanter Artikel zum Weiterlesen:
http://www.zeit.de/2010/42/C... orm?page=1
ich muss immer an eine Lektion von früher denken:
Wenn der Hans seine Putzfrau heiratet und ihr somit kein Gehalt
mehr zahlt, wird das BIP kleiner, obwohl sie die gleiche Arbeit macht
wie früher.
Ist zwar ein antiquiertes Gesellschaftsbild, zeigt aber schön, wie sinnfrei der Geldbegriff ist.
sie
sprechen eine schwäche vom Bip an, nämlich das Schwarzarbeit aber auch
unbezahlte Tätigkeiten (freiwilligen Arbeit, Heimwerken, Hausarbeit etc
..) sich nicht im Bip wiederspiegeln.
Allerdings ist das Bip auch nur ein Wert, den man in Relation zu
anderen Werten (zB Verschuldung, Neuverschuldung etc...) stellt.
Warum Geld deshalb "sinnfrei" ist müssen sie mir erklären.
Haben sie eine bessere Methode, wie wir handeln könnten ?
nähernt sich die Staatsschulden ca. 90% d. BIP, bricht der Rechtsstaat zusammen,
genausowie das Papiergeldsystem...
Warum sieht man dies nicht wie ein offenes Buch ? Die simple
Antwort : die USA hat die beste Propagandamaschinerie... der Geschichte
!
Die Herrschaft(USA,GB z.b.) beruht NUR... auf Propaganda.
Tatsächlich sind sie es, die unser Denken kreieren, uns begherrschen ...
Bei eigenen Gedanken würde klar, dass
- die Regierung die organisierte Kriminalität ist;
- die Prasserei/Abwertung der Währung das Mittel des GRÖSSTEN VERMÖGENS-TRANSFERS
... von Sparern, Produzenten
... zu den Geldschöpfern in der Geschichte ist !
http://www.mmnews.de/index.php... d-diktatur
Ihr
Wort in Gottes Ohr. Drei Jahre wird allerdings zu kurz gegriffen sein.
Denn für einen nachhaltigen Wandel müssen sich auch die
KreditnehmerInnen von "innen" her wandeln und nicht mehr Zukunft kaufen
wollen, um sie "schon jetzt" genießen zu dürfen. Wir benötigen daher
eine längerfristige Übergangsphase. Ich denke da an ein nachhaltigeres
Wirtschaftssystem à la oekosozialmarkt unter Ausschluss der Großen et
al. - ähnlich Ihren Überlegungen hinsichtlich "Ansporn ...
Anreizsystem".
Abschließend noch ein Wort aus dem NT: "Ihr zahlt den Zehnten von
Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse, die Gerechtigkeit aber und die
Liebe zu Gott vergeßt ihr. Um sie solltet ihr euch bemühen, ohne jenes
zu unterlassen." Lk 11,42
Was dieser Professor hier sagt, ist im Grunde dasselbe, was die Leute von "Zeitgeist", wie Peter Joseph propagieren:
(http://www.youtube.com/watch?v=E... =related).
Aber ich glaube nicht, daß das funktionieren wird, weil es gegen
die menschliche Natur geht, nach der einige mehr besitzen wollen als
andere, und wenn es kein Geld mehr gibt, kommt man auf den Tauschhandel
zurück. Ich möchte mich nicht darauf verlassen müssen, daß die
Gemeinschaft freiwillig meine Grundbedürfnisse deckt. Und wo fängt der
Luxus an? Diese Leute von "Zeitgeist" gehen auch davon aus, daß mit der
Weiterentwicklung der Menschheit die Religionen verschwinden, was eine
Illusion ist.
wie das geldsystem funktioniert - insbes. der zinseszins als UMVERTEILUNGSAINSTRUMENT...
sehe sie hier ganz deutlich.
genausowie beispiele für regionalgeld (z.b. wörgl, das grossen
erfolg hatte, aber von der zentralbank verboten wurden...wieso woh?).
http://www.margritkennedy.de/upload/Pr... ieWelt.pdf
Was nämlich, wenn es aus Gründen system-immanenter Sachzwänge künftig gar keine andere Wahl für die Menschheit gibt?
Man wird z.B. nicht eine komplizierte mathematische Rechenaufgabe
ewig mit denselben Fehlern neu beginnen, wenn man die Fehler bereits
kennt.
Wir brauchen neue Zinsmodelle, die statt einem exponentiellen Wachstum (bzw. Verlust bei Kredit) nur ein logarithmisches Wachstum liefern. M.a.W., je länger die Laufzeit, desto niedriger sollen die Zinsen automatisch werden, graduell abfallend mit der Laufzeit. Es ist ja keine Leistung, sein Geld (einmal angelegt) nicht zu bewegen.
...aber einfache Rechenvorgänge kann ich dennoch nachvollziehen.
"Durch Zinseszinsen steigen Vermögen und Schulden exponentiell, da
der Zuwachs pro Zinsperiode immer größer wird." (Alles von
Wikipedia>Zinseszins)
weiter:
"Diese für Kreditnehmer bedeutsame Gefahr hatte der Gesetzgeber
erkannt. Das BGB verbietet generell die Berechnung von Zinseszinsen,
indem es derartige Rechtsgeschäfte für nichtig erklärt. Nur
Kreditinstitute sind von diesem Verbot ausgenommen." (Warum
eigentlich?) Klingt für mich schon irgendwie nach systematischer
Umverteilung/Enteignung (Wie man es auch nennen will.) Insofern hat der
gute man einen Punkt, auch wenn er sich zT (vermutlich bewusst) recht
weit aus dem Fenster lehnt.
... die ja nur anfallen, wenn die Zinsen nicht bei Fälligkeit gezahlt werden.
Werden diese gezahlt, dann kann die GläubigerIn die Zinsen verwenden um neue Kredite zu vergeben.
Wenn Geld ein Gut und kein Schlecht ist, dann wird es auch immer
Zinses geben... (weil die die es verleiht einen Nachteil hat, den sie
sich abgelten lassen wird)
* Zinseszins lässt sich nicht abschaffen, wenn man den Zins nicht abschafft
* Zins kann man nicht abschaffen, wenn man Geld nicht abschafft
-> Die einfachste Lösung ist es die Zinsen durch Inflation (in
der Höhe des Zinsnivaus) zu "verstaatlichen" -> SchuldnerIn zahlt
Zinsen, GläubigerIn erhält Inflationsausgleich, Allgemeinheit lukriert
den Zinsgewinn. (s.a. monetative)
Wenn es Zins gibt, wird es auch Zinseszins geben, richtig.
Aber Geld muss nicht mit Zins verbunden sein, bzw. nur mit
bestimmten Zinsanteilen (Risikoabdeckung, Vermittlerentgeld zwischen
Sparer und Kreditnehmer und Bank), nicht mit dem Urzins (der Zinsanteil
der Geld durch sich selbst mehr werden lässt), der durch Freigeld
ausgehebelt wird.
... die mich auch fasziniert...
... ich finde es sehr gut verständlich... und im Endeffekt geht es mir genau um das...
... bei Freigeld wird das mit dem Zins umgedreht, indem Geld mit
einer Steuer belegt wird... dadurch braucht es keinen Zins um
Motivation zu schaffen das Geld zu verleihen...
Aus meiner Sicht kann das selbe auch erreicht werden indem
* Geldschöpfungsmonopol der Zentralbanken wieder eingeführt wird..
* Die Zinsgewinne durch eine Inflation quasi verstaatlicht werden...
Freigeld wäre mit heutiger Technologie auch machbar, ist aber
technisch komplizierter (da man jedem dauernd etwas weg nehmen muss).
Zustimmung zur Reform der Geldschöpfung, aber Inflation statt Umlaufgebühr funktioniert nicht, bzw. viel schlechter:
Ist die Inflation zu niedrig, kann Geld noch immer gehortet werden.
Ist die Inflation zu hoch, werden Sparer bestraft. Mit der Umlaufgebühr
erspart man sich diese unmögliche Punktlandung, unmöglich weil man, um
einen Punkt zu erreichen, beim anderen schon zu weit gehen muss.
Im Übrigen möchte ich anmerken, dass eines meiner Postings nach Tage plötzlich gelöscht wurde, Inhalt, kurz:
Volle Zustimmung zur Analyse, herzlichen Dank dafür;
Kopfschütteln bzgl. der vorgestellten Lösungen, geldlose
Tauschsysteme übernehmen quasi die Geldfunktion mit dem Unterschied
(zum Bargeld) der Kontrolle der Transaktionen.
ich weiß nicht ob sie geld verstehen oder nicht, zins ist jedoch, so wie in diesem kreditgeldsystem verwendet, nicht nur dazu da um gut ohne arbeit leben zu können, sondern auch bestes herrschaftsmittel und hervorragend dazu geeignet die bestehenden systeme einzuzementieren, so wie wien in den inneren bezirken schön langsam zu einem museum seiner selbst erstarrt, falls es nicht wachgerüttelt wird.
Als Österreicher verweise ich da auf §1000 AGBG:
"(2) Der Gläubiger einer Geldforderung kann Zinsen von Zinsen
verlangen, wenn die Parteien dies ausdrücklich vereinbart haben. Sonst
kann er, sofern fällige Zinsen eingeklagt werden, Zinseszinsen vom Tag
der Streitanhängigkeit an fordern. Wurde über die Höhe der Zinseszinsen
keine Vereinbarung getroffen, so sind ebenfalls vier vom Hundert auf
ein Jahr zu entrichten."

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